Kristallprinzessin

Glanzlicht

Weißes Haar schimmerte unter dem Sternenlicht. Weiße Augen, in welchen der nächtliche Himmel glitzerte. Unschuldig war sie, so schien es. Ihre Maske war es. Solch ein feiner, zierlicher Kristall. Man nannte sie die Prinzessin der Kristalle. Ein Herz aus Eis, eine Seele so dunkel. Und doch sah man nur ihre weiß leuchtende Unschuld.


Gebrochen

Immer und immer wieder zerbrach man ihre Kristalle. Jedes Jahrhundert, jedes Mal das selbe. Der Prozess wiederholte sich wie ein geplanter Zyklus. War sie geschaffen um zu leiden? Immer wieder verlor sie die Kraft. Die Kraft das zu ersetzen, was ihr stetig genommen wurde. Jedes Mal brach ein Stück von ihr ab und fiel in die Leere. Schönheit blieb, wurde aber von innen heraus zermalmt. Unschuld wurde genommen. Licht wurde verdeckt. Schatten wurden zersetzt. Es gab keine Angst mehr. Keinen Hass mehr. Keine Liebe mehr. Man nahm ihr alles, was ihr Kraft gab. Die reine Finsternis lag im Sterben. Nur mehr von Trauer zehrte sie, überlebte und atmete. Kalt wurden die Lippen der Prinzessin, letzte Thronerbin ihres Hauses und ein Kind der Schneekönigin, wie man sagte. Neid? Wahnsinn? Unwissen?


Schwäche

Ihr Körper schien so schwach und zerbrechlich. Stark der Geist, doch die reine Trauer vermag auch den kräftigsten Geist der Finsternis zu zertrümmern. Schwach war also ihr Körper, schwach wurde nun auch der Geist. Ihre Kristalle verblassten von Zyklus zu Zyklus. Die, die sie noch hüten konnte. Noch war die Hoffnung da, die ihr aber stetig entglitt. Alles um sie war verschwommen. Das Haar, einst so schön und weiß wie der Schnee auf Hoth, verlor seinen Schimmer. Die Augen, einst so hell wie Sterne, strahlten nicht mehr. Keine Tränen mehr. Kein Lächeln mehr. Emotionen verendeten und die Dunkelheit hatte nichts mehr, wovon sie zehren konnte.


Sekunde um Sekunde, eine Minute nach der nächsten. Jahre vergingen. Schneller und schneller. Die Prinzessin konnte spüren, wie ihr eigenes Leben aus ihren grazilen Händen floss und ihre Seele verblutete. Alles wurde so unsagbar gleichgültig.


Aufleben

Und so kurz vor dem Ende griff eine abstrakte Figur nach ihrer Hand, die wie die Illusion eines Ritters erschien. Hoffnung flammte auf, so tief in ihr. Aber ihr Geist blieb zertrümmert, war ihr Körper doch schon so leer. Die einst reine, dunkle Macht hatte sie vor langer Zeit verlassen. Durch Wahnsinn geschändet. Durch Gier konsumiert. Durch Neid zerfressen. Und dabei wirkte die Herrin der filigranen Kristalle immer so jung und teils unerfahren, obwohl eine viel ältere Macht in ihr schlief und nicht mehr aufwachen wollte. Sie brauchte die eiskalte Finsternis. Doch die Dunkelheit brauchte Kraft. Und die Kraft brauchte Emotionen.


Sie griff nach der Hand und erinnerte sich an das Leben. An eine Zeit, als sie ihr eigenes Herz noch fühlte. Da ging sie mit der Hoffnung auf Leben. Im Glauben sie sei sicher und könnte ihre alte Macht zurückerlangen. Denkend, sie könne nun endlich wieder mehr als nur ihre Aufgabe erfüllen. War sie jetzt sicher? Nein.


Die Prinzessin war naiv, geblendet von ihrer zerstörten und nach Hoffnung gierenden Seele. Man sperrte sie ein. Es war nur ein weiteres Gefängnis. Schon wieder. Die Figur des Ritters hatte sie nicht verraten, aber auch ein jeder Ritter musste dienen. Und so erlosch die letzte, eisig weiße Flamme in ihr. Nun blieb nur mehr die Asche, die Scherben und die Trümmer.


Abschied

Davonlaufen, fliehen. Vor allem flüchten. Das war ihr letzter noch verbliebener Gedanke. Der Funken der Unachtsamkeit entzündete den Geist der Kristallprinzessin ein allerletztes Mal. Und der Geist fing an, den eigenen Körper zu zerstören. Und der Körper zerstörte die Prinzessin. Ein letzter Atemzug um das Leben noch einmal auf den kalten, sterbenden Lippen zu verspüren.


Sie hat es geschafft. Endlich.

Sie konnte fliehen. Für immer.

Der weiße Stern erlosch. Für immer.


Ihre letzte Träne erfror.

Ihre Kristalle zerfielen.


Der Ritter fand sie.

Zu spät.


Und doch hat sie endlich ihr Ziel erreicht.

Etwas, was die Prinzessin schon immer wollte.

Ruhe, für immer. Für alle Ewigkeit.

Über den Autor

Star Wars - The Old Republic

Vanjervalis Chain since MMXI


Why fear death?

Just because you know the song will end,

is that any reason not to listen?


"Es ist wie atonale Musik. Sie klingt nicht harmonisch,

aber darin kann man ihre Schönheit entdecken." - Karayla

Felishya Administration